Schlechtes Internet bremst Freiwillige aus

Heike Landsberg hat zahlreiche Bücher für ihren Einsatz als Leseoma. Was gelesen wird, dürfen sich die Grundschüler aussuchen. Foto: Stephanie Zerm
Heike Landsberg hat zahlreiche Bücher für ihren Einsatz als Leseoma. Was gelesen wird, dürfen sich die Grundschüler aussuchen. Foto: Stephanie Zerm

Aus der HAZ vom 26. Februar 2022

von Stefanie Zerm

 

Ehrenamtliche können zwei Jahre lang nicht mit Laatzener Schülern lesen

 

Laatzen. Schulschließungen, gesperrte Spielplätze, Kontaktverbote:

Kinder mussten während der Corona-Pandemie bislang viele Einschränkungen hinnehmen. Auch die Leselernhelfer des Vereins Mentor durften fast zwei Jahre lang nicht in die Grundschulen kommen. Dabei hätte der Verein das Angebot gerne per Internet aufrechterhalten. „Wir hatten bereits ein Konzept dafür ausgearbeitet“, berichtet Heike Landsberg, die die Einsätze der Leseomas und -opas in Laatzen koordiniert. Von den acht Laatzener Grundschulen, die alle an dem Programm teilnehmen, hatte jedoch nur die Grundschule Grasdorf das digitale Angebot angenommen. „Die meisten anderen lehnten mit der Begründung ab, dass ihre Internetverbindung dafür leider nicht stabil genug ist“, berichtet die ehemalige Lehrerin. „Teilweise kann noch nicht mal ein WLAN-Zugang ermöglicht werden, da dann das Netz sofort überfordert wäre.“

 

Verbindung reißt ab

 

Die Koordinatorin der Lesementoren an der Grundschule Im Langen Feld bestätigt dies. „Wir haben etwa drei- bis viermal probiert, das Angebot digital aufrechtzuerhalten.“ Die Internetverbindung sei aber immer wieder zusammengebrochen: „Dann haben wir es aufgegeben.“ Auch die neuen Router, die vor rund einem halben Jahr installiert worden seien, hätten nicht viel gebracht. Zwar hätten nun manche Räume einen besseren Empfang, „aber in diesen konnten wir keine Aufsichtskräfte zur Verfügung stellen.“ Denn auch bei digitalen Angeboten muss die Schule ihrer Aufsichtspflicht nachkommen. Daher hätte das Lesementoren-Programm digital während der Betreuung im Rahmen der verlässlichen Grundschule stattfinden sollen, sodass ein pädagogischer Mitarbeiter vor Ort gewesen wäre. An der Grundschule Pestalozzistraße sieht es nicht anders aus: „Wir hatten bislang immer Probleme mit dem Internet“, sagt Schulleiter Axel Paulig. „Erst seit Anfang des Jahres funktioniert das WLAN flächendeckend im gesamten Gebäude.“

 

Mehr als 50 Engagierte

 

Vor der Corona-Pandemie haben laut Landsberg mehr als 50 Leseomas und -opas regelmäßig Grundschüler beim Lesenlernen unterstützt. „Dabei hat jeder Ehrenamtliche einmal wöchentlich in der Schule mit einem Kind gelesen.“ Lediglich Landsberg selbst, die bis zu ihrer Pensionierung vor rund drei Jahren an einem Gymnasium in Uetze als Lehrerin gearbeitet hat, betreute bis zu acht Jungen und Mädchen. „Ich war jeden Montag an der Grundschule Im Langen Feld und habe dort von der dritten bis zur sechsten Stunde mit jeweils zwei Kindern gelesen.“

 

Landsberg: Defizite verstärkt

 

Dabei konnten sich die Jungen und Mädchen selbst Bücher aussuchen und abwechselnd vorlesen. Welche Schüler an der besonderen Förderung teilnehmen durften, legten die Deutschlehrer fest. In der Regel waren dies Jungen und Mädchen mit erhöhtem Förderbedarf. Ihre Defizite seien durch die Corona-Einschränkungen verstärkt worden, ist Landsberg überzeugt: „Meine Erfahrungen als Leselernhelferin zeigen in den Laatzener Grundschulen viel Versäumtes.“

 

Prinzipiell gibt es in Laatzen laut Stadtsprecherin Anke Weisbrich bereits sehr schnelles Internet. Dass es für die Bedürfnisse der Schulen nicht ausreicht, liege daran, dass für diese teilweise schon vor Jahren Verträge mit nur geringen Bandbreiten abgeschlossen worden seien. „Im Zuge der gestiegenen Ansprüche durch die Corona-Pandemie konnten wir die Verträge nicht so schnell umstellen, da manche über fünf Jahre laufen.“

 

Schulen bekommen Glasfaser

 

Um die Internetverbindung an den Schulen zu verbessern, hat die Stadt mit der Telekom einen Vertrag über die Verlegung von leistungsstarken

Glasfaseranschlüssen abgeschlossen. „Dann werden wir ohnehin neue Verträge abschließen“, sagt Weisbrich. Bereits im Dezember ist mit dem Erich-Kästner-Schulzentrum die erste Schule mit dem schnellen Internetanschluss versehen worden. Ab März soll auch die Albert-Einstein-Schule den Glasfaseranschluss nutzen können. Anschließend will die Telekom die Grundschulen in Alt-Laatzen und Laatzen-Mitte damit ausrüsten.

 

Zu den Grundschulen Im Langen Feld und Pestalozzistraße hat die Telekom bereits die Kabel verlegt. „Wir hoffen, dass unsere Internetverbindung dann besser sein wird“, sagt Wilhelm Cornelius, Rektor der Grundschule Im Langen Feld.

Kontakt:

MENTOR - Die Leselernhelfer Hannover e.V.

Goseriede 15 | 30159 Hannover 

Tel.:  (0511) 6006 5775

mentor-leselernhelfer-hannover@htp-tel.de

 

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© Hintergrundfotos: Andreas Endermann